Windsurfen ist: Wasser, Sonne und Wind auf der Haut spüren

Windsurfen ist: Wasser, Sonne und Wind auf der Haut spüren

5. März 2019 0 Von Juliane

Einstieg auch Ü 50 möglich

Windsurfen kann man in – fast – jedem Alter lernen, auch Ü 50. Bodo Mörbitz (75) aus Duisburg hat vor etwa 22 Jahren im „zarten“ Alter von 53 angefangen, und sich dazu zwei ungewöhnliche Reviere ausgesucht: zunächst Cabarete (Dominikanische Republik) und dann die griechische Starkwind-Insel Karpathos. Hier seine Erfahrungen und Ratschläge für Beginner und Wiedereinsteiger.

Immer mit viel Spaß und Energie dabei: Windsurfer Bodo Mörbitz

Interview mit Bodo Mörbitz

Brettsegeln-Blog: Hallo Bodo, Du gehörst zu den drei ältesten Surfern, die regelmäßig nach Karpathos reisen. Wie alt bist Du inzwischen? Und wie oft surfst Du heute noch?

Antwort: Ja ich gelte schon als ziemlich alt, besonders unter den Surfern – ich bin jetzt 75. Ich surfe so viel wie es geht, aber das ist nicht so oft, wie ich es mir wünsche. Meine Frau hat da auch einen hübschen Einfluss, denn sie möchte gerne dabei sein und mitmachen; da sind dann Kompromisse erforderlich. So schaffen wir es maximal dreimal im Jahr. Dann jeweils für 14 Tage, manchmal auch schon mal für vier Wochen und immer auf Karpathos.

Brettsegeln-Blog: Wenn ich mich richtig erinnere, hast Du auch erst relativ spät mit dem Surfen angefangen. Wie alt warst Du damals und was hat Dich dazu motiviert, anzufangen?

Antwort: Das stimmt, auch beim Surfen bin ich ein Spätstarter. Ich glaube, ich war etwa 53. Ich habe das Surfen erst sehr spät kennen gelernt, nämlich bei einer Reise auf Fuerteventura, wo ich eigentlich nur wandern wollte. Bei meiner Ankunft in dem Hotel, das etwas am Berg lag, konnte ich durch das Fenster auf dem Wasser kleine Plastikspitzen tanzen sehen. Darum lief ich dann zum Strand, um meine Neugierde zu befriedigen und herauszufinden, was das ist.  Dort hab ich mit Erstaunen festgestellt, dass man auf einen winzig kleinen Board mit einem Stück Plastik in der Hand über das Wasser gleiten kann! Da habe ich mir gedacht: “Mensch Bodo, lebst ja in einer Superzeit! Was heute alles so möglich ist!“ Und dann musste ich das natürlich auch probieren!

Brettsegeln-Blog: Wie hast Du angefangen und wo? Hast Du z. B. Anfängerkurse besucht und/oder Stunden bei einem Trainer genommen? Wie lange hat es gedauert, bis Du richtig viel Spaß hattest?

Antwort: Nach meiner Rückkehr habe ich mich dann erkundigt und wurde von Experten darauf hingewiesen, dass man unbedingt nach Cabarete fahren müsse, wenn man das Surfen schnell lernen möchte. Die Anfängerkurse dort waren aber doch recht schwierig und wie ich später erfahren habe, auch völlig ungeeignet, um möglichst schnell ins Gleiten zu kommen. Trotzdem bin ich dann noch zweimal dahingefahren, weil ich sehr verbissen war. Dann habe ich aber von Alex von der Station in Cabarete erfahren, dass er noch in jenem Jahr nach Karpathos gehen würde, um dort gemeinsam mit Alexandra für die Firma Mistral eine Station aufzubauen. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mitzukommen.

Einer der ersten Surfschüler auf Karpathos

So kam es, dass ich einer der ersten Surf-Schüler auf Karpathos wurde. Das war auch mein Glück, denn unter den Verhältnissen dort – die damals einfach genial waren, weil es dort ja so gut wie keine Bebauung gab und der Wind entsprechend zügig über die Platte wehen konnte – habe ich mir dann eigentlich ohne Unterricht das Notwendige recht schnell selbst beigebracht. Es gab dann auch dort schon Experten aus Großbritannien und anderen Ländern, die mir ein sehr gutes Vorbild gaben. Ja, das Surfen dort hat vom ersten Tag an richtig Spaß gemacht, weil die Anforderung klein gehalten wurden!

Ich versuchte einfach, die Dinge herauszufinden, die mir wichtig erschienen und ließ nicht locker und dann kam der Tag, wo ich nicht nur wunderschöne Schleuderstürze vorführen konnte sondern auch schon mal ein Wasserstart gelang.

Brettsegeln-Blog: Du hast auf Karpathos Dein eigenes Material eingelagert – wann hast Du Dir das zugelegt und warum?

Antwort: Auf Karpathos ist das Surfen ja nicht nur in Afiartis, sondern auch auf der dem Wind zugewandten Seite möglich, dem Wavespot. Dort wollte ich natürlich auch mal in den Wellen surfen, was aber mit geliehenem Material nicht möglich war. Deshalb kaufte ich mir ein gebrauchtes Board und später noch eins und mit diesem Material konnte ich dann mit Hilfe eines Motorrades und mit einem selbst gebastelten Anhänger zur anderen Seite wechseln. Dort fand ich recht schnell nette Kumpels, die mir die notwendigen Tipps gaben, so dass ich auch dort bald unterwegs sein konnte.

Eigenes Material muss natürlich selbst getragen werden…

Brettsegeln-Blog: Du hast vor Deinem Leben als Surfer auch schon viel Sport gemacht, deshalb warst Du sicher sehr fit, als Du angefangen hast. Ist das zwingend notwendig? Wie fit sollte man nach Deiner Erfahrung sein, um Surfen zu lernen? Welche körperlichen Voraussetzungen sollten gerade ältere Menschen mitbringen?

Gute Grundkondition erforderlich

Antwort: Ja, ich hab immer gern Sport gemacht und immer gern etwas Neues ausprobiert, besonders gerne dort, wo ich die Grenzen noch nicht kannte. Ich finde schon, dass das Surfen eine gute Grundkondition erfordert, aber besonders wichtig ist, dass man sich im Wasser gerne aufhält und keine Angst hat, auch mal eine Stunde schwimmen zu müssen, weil das Material nicht so mitgespielt hat, wie man sich das gewünscht hat.

Aufs eigene Wohlbefinden achten

Brettsegeln-Blog: Was rätst Du älteren Einsteigern oder Wiedereinsteigern? Worauf sollten sie unbedingt achten?

Antwort: Ich denke, man kann auch als älterer Mensch in diesen Sport einsteigen, weil die heute verfügbaren Materialien sehr vielfältig und für jede Stufe auch die richtigen Größen verfügbar sind. Als Einsteiger sollte man nicht so sehr auf die anderen schauen, sondern sich und das eigene Wohlbefinden unter Kontrolle halten. Dabei ist es ratsam, zu bemerken, wann es aufhört Spaß zu machen, denn als älterer Mensch sollte man sich nicht quälen. Lieber mal sich auch an dem Können der anderen erfreuen und dabei den heißen Sand unterm Hintern mit einem kühlen Bier in der Hand genießen.

Keine Altersgrenze – Genuß steht im Vordergrund

Brettsegeln-Blog:Gibt es deiner Meinung nach eine Altersgrenze beim Surfen? Und wie lange willst Du noch weiter machen?

Antwort: Für mich ist das Windsurfen eine wunderbare Möglichkeit, die Naturelemente Wasser, Sonne, Wind auf meiner Haut zu spüren und mich immer wieder auf diese Weise an der Lebendigkeit zu erfreuen. So gesehen gibt es eigentlich keine Altersgrenze. Ich sehe eine Grenze eher dort, wo der Genuss am Sport an den Rand der eigenen Leistungsfähigkeit stößt. Ich selbst habe mir keine Grenze gesetzt. Ich werde immer wieder jedes Jahr aufs Neue herausfinden wollen, was geht und was nicht mehr geht.

Im Augenblick habe ich eine schwere Operation hinter mir und werde, sobald ich die ersten Nebenwirkungen abgebaut habe, diesen Versuch aufs Neue beginnen – und wenn es nötig sein sollte, alles noch mal von vorn. Aber ich werde es mit gleicher Freude tun, auch wenn es diesmal etwas anders sein wird.

Brettsegeln-Blog: Vielen Dank für das Interview, Bodo. Wir wünschen Dir gute Besserung und noch viele tolle Surferlebnisse!