Surfen auf den Kapverden – „Geheimtipp“ Sao Vicente

Surfen auf den Kapverden – „Geheimtipp“ Sao Vicente

19. Februar 2019 0 Von Juliane

Ein noch relativ unbekanntes Surfrevier liegt auf der Kapverden-Insel Sao Vicente. Hier bläst der Wind die meiste Zeit in Rekordstärke und stellt damit hohe Anforderungen an Mensch und Material. Bei gemäßigten warmen Temperaturen (ähnlich wie auf den Kanarischen Inseln) kann man hier dem deutschen Winter erfolgreich entfliehen. Wir waren inzwischen 3 Mal dort: im Februar 2014 und 2015 sowie im März 2018.

Die Surfstation

Die Station wird seit einiger Zeit von Sven betrieben, unterstützt von seinem einheimischen Team, das z. T. schon seit mehreren Jahren hier arbeitet und den Spot in- und auswendig kennen. Sie liegt auf dem weitläufigen Gelände des Foya Branca-Hotels, nebenan gibt es noch eine Tauchstation. Gleich hinter dem nachts geschlossenen Hoteltor beginnt der sehr große Sandstrand, er ist allerdings hin und wieder zum Teil überflutet. Dann watet man auf recht glitschigen Untergrund zum Einstieg. Die Station selbst ist mit einer Mini-Umkleideecke und einer mit der Tauchstation gemeinsam genutzten Außendusche ausgestattet. Ein windgeschützter Bereich mit Klappliegen und Sitzsäcken lädt zum Relaxen ein.

Die Surfstation liegt im Garten des Hotels

Materialauswahl übersichtlich

Die Station ist mit Fanatic- und Tabou-Boards ausgestattet. Sie sind teilweise relativ neu, teilweise aber auch ältere Modelle mit (ein wenig unfachmännisch durchgeführten) Reparaturen. Bei großem Ansturm an Gästen – was selten vorkommt – werden auch diese aus dem Lager hervorgeholt. Die Segel sind mehrheitlich von Gaastra und North und eher knapp bemessen. 2018 waren die Segel qualitativ im mittleren Bereich angesiedelt und es kam immer mal wieder zu Engpässen, wenn alle gleichzeitig aufs Wasser wollten.

Ein Teil der zur Verfügung stehenden Boards.

Fast immer extremer Wind

Der Wind weht hier im Winter eigentlich immer – und zu der Zeit, zu der wir jeweils da waren, war er auch durchweg sehr stark. 2014 pustete er meist mit etwa 6 Beaufort, Abweichungen gab es eigentlich nur nach oben, hin und wieder bis zu 8 oder 9 Beaufort. Dann wurde auch der Shorebreak mitunter so stark, dass schon mal ein Mast zu Bruch ging. Wer sich solchen Shorebreak nicht zumuten kann oder möchte und ein paar Minuten Geduld hat, ist aber mit dem guten Shorebreak-Service immer auf der sicheren Seite. 2015 war der Wind extremer. Da erreichte er im Maximum auch gute 9 Windstärken, an den meisten Tagen „begnügte“ er sich aber mit 7-8. Dabei war er sehr böig, einmal wurde innerhalb von drei Minuten 4 und gleich danach 8 Windstärken gemessen. Neben dem Shorebreak war das eine große Herausforderung, denn eigentlich hatten wir an solchen Tagen immer das falsche Segel. 

Nichts für Angsthasen

2018 hatten wir unsere Reise extra auf den März gelegt, eine Empfehlung der Locals. Denn im März soll der Wind etwas leichter und weniger ruppig sein, als im Februar. Dem war leider nicht so! während unseres Aufenthalts war der Wind so stark wie noch nie! 8-9 Windstärken, sehr böig und sehr ruppig war fast Standard, an manchen Tagen mehr. Die Hauptwindrichtung zu dieser Jahreszeit ist ablandig bis schräg ablandig von links, und da das Revier sehr ruppig ist, ist auch diese Windrichtung nichts für Angsthasen. Denn bei den Bedingungen ist der Einsatz des Rettungsbootes gar nicht immer möglich, das zuletzt aber wenigstens immer startklar am Strand lag.

Das Wetter ähnelt im Februar und März dem Kanaren-Wetter, tagsüber hatten wir etwa 22-24 Grad, die Wassertemperaturen lagen sicherlich auch bei 20 Grad. Manche Surfer waren dann auch im Shorty unterwegs, andere fühlten sich mit 3-4mm Neos gut ausgestattet.

Fischtreibjagd und ankernde Boote

Die Surfer sind in diesem Revier nicht allein. Die örtlichen Fischer aus dem nahegelegenen Fischerdorf tuckern mit ihren kleinen Booten gerne mitten durch die Surfer, und am (vom Strand aus gesehen) rechten Ende der Bucht breiten sie auch schon mal ihre Netze im flachen Wasser zur Fischtreibjagd aus. Auf der anderen Seite der Bucht ankern die Fischerboote gerade in dem Bereich, in dem wir Halsen oder Wasserstarten mussten…

Der Blick über die Bucht in Richtung Fischerdorf.

Wohnen: Hotel Foya Branca

Bisher stand ausschließlich das Hotel Foya Branca, auf dessen Gelände auch die Surfstation liegt, zur Verfügung. Dieses Hotel ist mittelgroß und bietet neben einfacheren großen Zimmern im älteren Teil etwas gehobenere Zimmer in den neueren dreistöckigen Gebäuden. Hier hat man einen tollen Blick über die ganze Bucht. Das Hotel hat einen akzeptablen Standard, allerdings werden Sonderwünsche mitunter nur schleppend erfüllt – kapverdianisch eben. Seit 2015 steht am anderen Ende der Bucht im Fischerdörfchen ein weiteres Hotel zur Verfügung, das man ca. in 15 Minuten von der Station aus zu Fuß erreichen kann.

Garten und Poolbereich des Hotels

Restaurants, Geschäfte etc.

Direkt gegenüber vom Hotel liegt ein kleines sehr gutes Restaurant eines ausgewanderten Schweden, das oft auch schon mittags geöffnet hat. Eindeutig die bessere Alternative für diejenigen, die in Hotelnähe essen wollten. Abends fuhren wir meist mit dem vom Hotel zur Verfügung gestellten Shuttle-Bus in die Stadt Mindelo. Hier geht es noch recht untouristisch zu, es gibt aber einige gute Restaurants, die in wenigen Minuten von der Bushaltestelle aus zu Fuß zu erreichen sind. Rund ums Hotel gibt es sonst aber nichts, sodass auch Einkäufe wie Kekse (unbedingt die leckeren Selbstgebackenen aus dem Supermarkt probieren!), Mineralwasser u. ä. in der Stadt erledigt werden müssen.

Unsere Empfehlung: Das Café Casa am Hafen, dort wird abends kapverdianische Livemusik gespielt und man kann sich aus diversen frisch gefangenen Fischen und Meeresfrüchten seine Lieblingsspeise aussuchen. Auch für diejenigen, die keinen Fisch mögen, gibt es viele gute Angebote. Und nachmittags bieten sie hier sehr leckere Torten an!

Fazit /Empfehlung

Dieses Revier ist definitiv nichts für Angsthasen! Die Bedingungen sind so rau, dass Surfen uns Frauen oft eher als Kampf ums Überleben anstatt als Freizeitspaß erschien. Wer sehr kräftig ist, auch ein paar Kilos mehr mitbringt, den Wasserstart sicher beherrscht und starken Wind mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Alle anderen sollten zumindest angstfrei sein, um Spaß zu haben.

http://www.kapverdensurf.com/de (Infos der Surfstation)

https://www.facebook.com/SaoVicenteWindsurfing (Infos der Surfstation)

http://www.foyabranca.com/ (Hotelinfos)

https://www.youtube.com/watch?v=jtxgrsLWFvk&app=desktop (Video von 2015)

https://www.youtube.com/watch?v=Zys_8y0X8rE (Video von 2018)