El Gouna: Ideal für Surfer mit Tiefenangst

El Gouna: Ideal für Surfer mit Tiefenangst

24. Juni 2019 0 Von Juliane

El Gouna, der bekannte Kitespot am südlichen Roten Meer in Ägypten, hat seit November 2015 auch eine Windsurfstation, die „Element“-Station. Wir haben dort zwei Wochen Ende Dezember 2015 zugebracht.

Schöne Station – Konzept mit Anspruch

Die Element-Station hat uns gleich auf den ersten Blick beeindruckt: Sie sieht sehr schick und modern aus, bietet viel Platz für Kiter und Windsurfer und ist mit allem ausgestattet, was man braucht: Leihmaterial, Storageräume, Duschen, WCs und Umkleidebereich mit abschließbaren Fächern, ein kleiner Shop (Shirts, Hoodies, Shorts, Beanies, Taschen, Flip Flops etc.) sowie ein Beach-Restaurant sind vorhanden. Hier gibt es hervorragende hausgemachte Pizzen und (nach unseren Erfahrungen für Ägypten überraschend) gute Snacks und Sandwiches. Das Personal ist durchweg sehr freundlich und aufmerksam.

Stilvoll: Die Element-Station

Wind: Zwischen 0 und 7 Windstärken

Der Winter ist in Ägypten bekanntermaßen etwas windärmer, und so hatten wir von den 13 Tagen vor Ort auch nur acht Tage mit Gleitwind, zwei davon sogar mit starkem Wind von 6-7 Beaufort. An einigen Tagen kam der Wind allerdings erst am Nachmittag und legte nach 16 Uhr noch zu. Da aber die Sonne im Dezember schon um 17 Uhr untergeht, hat uns das manchmal nichts mehr genützt… Der Wind kam meistens schräg auflandig von links, drehte aber auch schon mal ein bisschen in die eine oder andere Richtung. Bei der Hauptwindrichtung hatten wir Surfer ein riesiges Stehrevier von 1 km und in der ersten Woche – bedingt durch die Tide – auch jederzeit genug Wasser unter der Finne. Das war in der zweiten Woche leider etwas anders, da war Vollmond und das Wasser bei Ebbe so flach, dass selbst für Surfboards mit sehr kurzen Finnen nichts zu machen gewesen wäre. „Wäre“ – denn zu unserer „Erleichterung“ waren das die windstillen Tage, die wir für Stand-Up-Paddeln, Sonnen und Relaxen nutzen konnten.

Leider haben wir eine recht kühle Phase erwischt: Meist erreichte das Thermometer kaum die 20-Grad-Marke, im Schatten war es oft zu kalt. Auch das Wasser war nicht wärmer, sodass viele mit ihren dünnen Neos gefroren haben.

Viel Platz für wenige Surfer

Da die Station erst ein paar Wochen vor unserem Urlaub eröffnet worden war, war es meist nicht voll. Und Windsurfer waren sowieso in der Minderheit. Meist waren wir zwei oder drei, maximal habe ich an einem Tag sechs Surfer gezählt. Inklusive zweier Anfänger…

Der Einstiegsbereich ist für Surfer und Kiter getrennt, so kommt man sich nicht in die Quere. Auf dem Wasser mischt es sich dann aber doch. Das ist allerdings kein Problem, denn die Bucht ist groß und das Meer weit!

Das Revier ist weitgehend stehtief und hat meistens Glattwasser. Dadurch ist es ideal für Anfänger, Aufsteiger und Surfer mit Tiefenangst. Bei stärkerem Wind entstand übrigens ein Chop und später auch eine kleine ungeordnete Windwelle, die es Anfängern und Aufsteigern manches Mal etwas schwer machte. Durch die Tide entstand außerdem manchmal am „äußeren Ende“ des Stehbereichs eine leichte Strömung.

F2-Material leider enttäuschend

Über die Qualität des Leihmaterials waren wir recht enttäuscht, hatte die Station doch in ihrer Werbung angegeben, dass es sich um neues F2-Material handelte. – Das war es wohl auch, wenn man unter „neu“ unbenutzt versteht. Aber: Das Material war keinesfalls neu in dem Sinne, wie es bei Surfstationen üblicherweise ist. So standen dort einige Bretter aus dem Baujahren 2013, 2014 und 2015 – von neuem Material des kommenden Jahres, wie man es anderswo am Ende eines Jahres bereits testen kann, war hier nichts vorhanden. Und es handelte sich – leider – um F2-Material, das möglicherweise für den selten surfenden Privatmenschen gerade noch gut genug ist, für Leihmaterial an einer Station ist es nach unserer Einschätzung völlig ungeeignet. Nicht nur, dass die Gabelbäume schon nach kurzer Zeit Schrott sind, die Boards sind außerdem äußerst empfindlich und fallen dann wegen der Reparatur tagelang aus.

Ein Teil der Leihboards

Auch die Gabelbäume hatten nicht die Qualität, die wir von anderen Stationen kannten. So waren die Belegklemmen am Schothorn aus Kunststoff und bereits nach kurzer Benutzung „vergniedelt“. Und: manche Gabeln konnte man auch nach mehrmaligen Nachtrimmen auf dem Wasser einfach nicht fest am Mast befestigen, sodass sie wackelten und teils sogar rutschten.

Wohnen in El Gouna

Mit solchen Tuk-Tuks werden Gäste gefahren

Wir wohnten knapp drei Kilometer entfernt im neueren Teil von El Gouna, im Mosaique-Hotel, das an der Abu Tiq-Marina liegt. Dort hat es uns sehr gut gefallen, das Hotel ist sehr schön, mit knapp 70 Zimmern relativ klein und meistens wirklich ruhig. Es gab morgens im 30-Minuten-Takt einen Shuttle zur Station, nachmittags  ab 16 Uhr ging’s ebenfalls im 30-Minuten-Takt zurück. Zu anderen Zeiten haben wir ein Tuk-Tuk genommen, kleine Moped-Taxis, die auf allen Strecken innerhalb des Orts 15 Ägyptische Pfund pro Strecke für zwei Personen kosteten. Das Essen im Hotel war gut und abwechslungsreich und die Küche arbeitete so sauber, dass Bauchschmerzen oder gar „die Rache des Pharaos“ fast nicht vorkamen. Es gibt darüber hinaus unendlich viele andere Hotels, die teilweise auch All-inclusive anbieten —- wer`s braucht…

Infos zu den Hotels gibt es unter http://www.hotels.elgouna.com/de/

Modern und ein bisschen steril: Die Wohnhäuser an der Abu-Tiq-Marina

Unser Tipp: Sucht euch ein Hotel, das an der Abu Tiq-Marina liegt, dort fanden wir es am schönsten. Übrigens: El Gouna ist ein komplett künstlich angelegter Ort. Er wächst immer weiter. So entstehen an vielen Stellen neue Hotels, Villen, Lagunen etc. Deshalb wurde während unseres Aufenthalts auch viel gebaut. Die Baustellen haben wir gesehen, Baulärm oder Dreck haben wir in unserem Hotel aber nicht wahrgenommen.

Essen gehen

Wer im Hotel Frühstück oder Halbpension gebucht hat, findet für die anderen Mahlzeiten in der Nähe der Hotels sowie Downtown viele unterschiedliche Restaurants mit teilweise sehr gutem Essen zu akzeptablen Preisen. Wir haben z. B. ein Thailändisches Restaurant downtown (White Elephant) sowie ein Steakhaus in der Abu Tiq-Marina (Captain’s Inn) ausprobiert – beide waren für ägyptische Verhältnisse hervorragend! Allerdings: El Gouna ist nicht typisch Ägypten. Die Preise sind deshalb sicherlich höher, als an anderen Touristenorten, verglichen mit der Heimat aber ok.

Unser Fazit:

El Gouna und die Element-Station sind für Windsurfer eine neue und gute Option, insbesondere in der kalten Jahreszeit, in der heimische Surfreviere einfach zu kalt sind. Anfänger und Easy-Surfer sowie alle mit Tiefenangst sind hier sicher richtig. Wer aber bereits etwas höhere Ansprüche ans Material entwickelt hat, wird sich das eine oder andere Mal wundern oder sogar ärgern. – Hier sehen wir noch erheblichen Verbesserungsbedarf.

Weitere Informationen:

http://element-watersports.com/

https://www.facebook.com/element.elgouna/